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Land Rover Experience Australia 2015: Helikopter und die schwarze Schlange

2016-05-27 09:57:22
Land Rover Experience Australia 2015: am Ufer des Salzsees Lake Mackay.
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  • von
  • Peter Schwerdtmann
ampnet - 08.11.2015: Endlich kühle Luft. Das Mädchen in der Halle des Ayer Rock Resort reicht mir aus einem Tablett voller Eiswürfel und reinweißer, zusammengerollter Frotteeläppchen eine weiße Rolle an. „No thanks“, lehne ich ab, weil vorm inneren Auge das Bild eines Läppchens entsteht, das ich durch mein Gesicht gezogen habe, jetzt nach vier Tagen im roten Staub des Outbacks bei der „Land Rover Experience Australia 2015“. Die soll mir bloß nicht zu nahe kommen. Ich – ein als kühler Norddeutscher domestizierter Mensch – laufe bei Temperaturen zwischen 35 Grad und 45 Grad Celsius weit oberhalb meiner normalen Betriebstemperatur. Der Duft der Wildnis wird mir anhaften und natürlich der Staub. Später nach langem, gründlichem Duschen mit vielen reinigenden Substanzen und Essenzen zeigt das Duschtuch noch die roten Spuren des Outbacks.
So eine Enttäuschung: Kein einziges Känguru hüpfte uns in der kompletten Woche über den Weg. Dafür hatten wir eine unerwartete Begegnung. Das größte Landtier, das uns beäugte und fluchtartig das Weite suchte, war ein Trampeltier, ein Dromedar. Der zu wenig vorgebildete Tourist wie wir weiß eben nicht, dass Dromedare in bestimmten Regionen Australiens eine Plage geworden sind und es damit sogar auf ein Warn-Verkehrsschild geschafft haben.

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„Hier gibt’s Schlangen!", ruft eine Stimme aus der Finsternis, als wir auch am zweiten Abend verspätet am Rand des Salzsee Lake Mackay mit Licht aus Stirnlampen nach Platz für unsere Einmannzelte suchen. „Hier sind überall Spuren!“ Unser Tourarzt Doc Dominic, Luxemburger Orthopäde und Notfallmediziner und seit Jahren dabei, beruhigt: „Bei dem Krach, den ihr macht, sind die alle längst geflüchtet.“ Das Du ist Pflicht im Outback, die Wüste schweißt alle zur Schicksalsgemeinschaft zusammen. Dominic lag mit seiner Ansage sicher richtig. Aber vielleicht gibt es ja nicht nur unter Menschen, sondern auch bei Schlangen den einen oder anderen Sadisten. Mich jedenfalls beschlich ein ungutes Gefühl, als ich mit der Rolle Klopapier und Feuchtreinigungstüchern in der Hand im Busch ein lauschiges Plätzchen suchte. Am Ende der Tour, behauptete einer der Teilnehmer, er habe tatsächlich eine schwarze Schlange gesehen, etwa einen halben Meter lang und mit rotem Schwanz. Wir waren geneigt, ihm zu glauben.

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Die ersten Ureinwohner trafen wir weit hinter der Geisterstadt Yagga Yagga in einer Hüttenansammlung mit Kunstgalerie. Sie selbst nennen sich „black fella“ – die schwarzen Kerle – sagte uns Helikopter, offenbar das Familienoberhaupt hier. Der Rest der Welt bezeichnet sein Volk und die vielen anderen seiner Art als Aborigines. Wikipedia weiß natürlich, dass dieser Begriff von den alten Römern stammt. Er kommt vom Lateinischen „ab origine“ (von „von Beginn an), heißt also nichts mehr als „Ureinwohner“. Die Römer bezeichneten so die Einwohner von Latium, einer Landschaft im frühen Italien. Mit deren Bewohnern werden die Römer auch nicht besser umgesprungen sein als alle späteren Kolonisatoren mit ihren Ureinwohnern.

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Die Australier haben ihre Ureinwohner länger missachtet als andere. Deswegen schützen sie die noch verbliebenen Aboriginie People über alle Maßen. Vier Begriffe fallen mir dazu ein: Schuld, Gewissen, Überreaktion, Käseglocke. Besonders zu erleben bei Ayres Rock, dem sagenhaften roten Monolithen, der für die Ureinwohner ein heiliger Ort ist, an manchen Stellen mehr, an anderen weniger. Dort teilen freundliche weiße Aufpasser den Kamerateams und Profi-Fotografen die Motive zu und wollen die Aufnahmen freigeben, damit auf keinen Fall religiöse Gefühle der Ureinwohner verletzt werden.

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Die Expeditionsausstattung unseres Land Rover Discovery Sport: ein massiver Dachgepäckträger mit einem Ersatzrad, zwei 20-Liter-Kanister Diesel, zwei Einmannzelte und eine Batterie Fernlicht-Scheinwerfer, innen eine große Kühlbox in der Mitte der Rücksitzbank, prall gefüllt mit Wasserflaschen, ein besonders sensibler Reifendruckanzeiger, der oft eine Rolle spielen sollte, eine Garmin-Navigation und Sprechfunk. Dazu im Kofferraum zwei faltbare Campingstühle, das Gepäck der beiden Teilnehmer und Wasserflaschen in jedem Hohlraum. Bei einer Zuladung von gut 750 Kilogramm war der Sport sicher nicht überladen, aber so schwer, dass die „offizielle“ Bodenfreiheit von 275 mm vorn und 212 mm hinten deutlich unterschritten wurde. Auch das sollte bei unserer Tour eine Rolle spielen. Die begleitenden Land Rover Discovery hatten es erheblich leichter mit dem Gelände. Wo die noch hinüberglitten, setzten wir auf.

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Begleitet wurde unser aus drei Gruppen bestehender Konvoi von so erfahrenen Führern wie Marvin und Stefan, dem Techniker Frank und ihren Kollegen, dazu noch Kamerateams. Sie alle fahren Dicovery. Die guten Menschen aus den „Discos“ verdienen höchste Anerkennung für ihre Gelassenheit beim Ausbügeln der Fehler anderer. Auch ich habe einen Reifen plattgefahren und zwar den selben gleich zwei Mal. Jedes Mal steckte das Stück eines Astes von einem seit Monaten knallhart ausgetrockneten Busch in der Flanke. Aber Frank und der Doc (!) haben es gerichtet.

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Die Vorfreude auf das erste Hotel nach dem Outback war riesig, die Dusche genial, das Zimmer kühl und das Bett bequem. Und doch: In meinem Einmannzelt schlief ich besser. Das war in ein paar Minuten aufgebaut: aufrollen, die drei Trägerstäbe zu einem Halbkreis zusammenstecken, durch die Laschen ziehen, das Zelt mit Klipps spannen, die beiden Längsstangen einspannen, und schon steht das Haus für eine Nacht mit einer guten Matratze als Boden. Am Kopf ein Fliegengitter, am Fußende ebenfalls und das ganz große als Eingang an der Seite. Der Durchzug erleichtert das Leben bei Nachtemperaturen oberhalb 30 Grad Celsius. Der Wind kühlt zwar nicht wirklich, aber er trocknet. So erlebte jeder von uns beim Einschlafen den unbeschreiblich reichen Sternenhimmel und die Dutzenden von Sternschnuppen – gepixelt durch das Fliegengitter.

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Zwischen Zeltaufbau und Einschlafen kam der Servicetruck ins Spiel, ein mit seinem Aufbau 22 Tonnen wiegender Mercedes-Benz Actros, der aussieht, als wolle er die nächste Rallye Dakar begleiten. Das könnte er dank Sechs-Rad-Antriebs und 2300 Newtonmetern Drehmoment wahrscheinlich auch. Aber unserer Gruppe diente er als Werkstattwagen, Möbellager, Abendrestaurant, Bar und Frühstücksraum. Die beiden Köche René und Paul – beide ausgezeichnete Gastronomen – schafften jeden Abend ein Essen auf die Klapptische, das unser erstes Restaurant nach dem Outback im Ayers Rock Ressort bei weitem nicht überbieten konnte. Mit der Arroganz des Verwöhnten stellte einer der Teilnehmer im Restaurant fest, manchmal gehe es eben nur darum, wieder satt zu werden.

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Endlich stehen wir in Uluru an einer T-Kreuzung, den heiligeren der beiden roten Berge im Hintergrund. Die Gewinner des Wettbewerbs, die nun schon seit drei Wochen Australien von Nord nach Süd durchkämpfen, liegen sich in den Armen. Euphorie macht sich breit. „We are the Champions“ und „An Tagen wie diesem“ bestimmen den Rhythmus des Freudentanzes. Die Eingeborenen, die uns in der Galerie auch schon ihre Lieder gesungen, Tänze gezeigt und Geschichten erzählt haben, gehen beim Tanzen sparsamer mit den Bewegungen um.

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Wir, die wir nur eine Woche dabei waren, verstehen den Triumph und die Erleichterung. Fast 3700 Kilometer liegen hinter ihnen, nach unseren Maßstäben alles „off road“, weil auch die Highways aus Schotter und Sand bestehen. Auch dort liegt die beste Piste nicht immer auf der vorgeschriebenen linken Seite der Fahrbahn, und Probleme wie tiefere Sandstrecken lauern überall. Wir steigen in unsere Autos und fahren die 30 Kilometer zum Hotel – zum ersten Mal auf Asphalt.

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47 Grad. Wir reinigen in der prallen Sonne unsere Autos, damit in einer Woche sieben von Ihnen von Alice Springs durchs Outback touren können. Das ist das Ende der Marketing- und Technikschau der Land Rover Experience in Australien: Bezahlte Gäste werden an Bord sein, die sich für 5000 Euro pro Person plus Flug dieses besondere Erlebnis erlauben. Dennoch bleibt die Tour auch nach weiteren Terminen im Februar und März ein Verlustgeschäft, weiß Mayk Wienkötter, deutscher Pressesprecher von Land Rover. Der Gewinn liege im Gesamtprozess, sagt er. 100 000 Menschen haben im Internet die Ausschreibung für die Tour gelesen und 30 000 sich beworben. 3000 haben an Ausscheidungs-Wettbewerben überall in Deutschland teilgenommen. „Alles Probefahrten“, meint Mayk, „und viele von denen kaufen.“ 30 kamen in die Endausscheidung auf das Land-Rover-Experience-Gelände nach Wülferath und sechs schließlich zum Aeyers Rock.

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Mit den sechs Sieger werden wir heute in den Dünen Abschied feiern und dabei die Frage diskutieren: Warum der Land Rover Discovery Sport? Der ist doch schon recht erfolgreich im Markt und eigentlich nur als SUV mit Fähigkeiten im Gelände gedacht? Die Antwort von Mayk hätten wir uns denken können. Ein Land Rover müsse eben immer zeigen, dass er die besten Eigenschaften im Gelände biete, auch als SUV. „Er muss mehr können als jeder Wettbewerber“, fordert Mayk. Unsere Erfahrungen in Astralien widersprechen dem nicht, trotz mancher kleinerer technischer Probleme wie ausgefallenen Leuchten. Wir hatten allerdings viele Pannen, meist platte Reifen. Die übrigen Schäden mussten sich meist die Fahrer zurechnen lassen. So mancher linker Außenspiegel wurde im Outback Opfer kultureller Unterschiede. Menschen, die in Ländern leben, in denen rechts gefahren wird, haben bei einem Auto mit Rechtslenker dessen rechte Seite nicht im Blick. Wir hätten den Rückspiegel von Anfang an anklappen sollen. Von hinten kam ja nie einer, von vorn im Outback übrigens auch keiner.

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Dieses war die elfte Land Rover Experience Tour, alle organisiert von Dag Rogge. Es war auch die größte Tour mit knapp 50 Teilnehmern auf jeder Etappe. Wir waren gewarnt. Wir wussten, dass diese Tour eher einer Expedition als einem Ausflug gleichen würde. Das war wirklich anstrengend, vom Sonnenaufgang bis Mitternacht das Etappenziel zu erreichen. Alles ist gutgegangen, Dominic war mehr am Drehmomentschlüssel als medizinisch aktiv, Dag Rogge war am Ende so überglücklich, dass er schon die nächste Tour in zwei Jahren in den Blick nahm – Ziel und Auto unbekannt. Wir werden sehen. (ampnet/Sm)