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Fahrbericht Ssangyong Rodius e-XDI 220 4WD AT: Platzhirsch mit kleinem Pferdefuß

2016-05-27 09:57:22
Ssangyong Rodius 4WD.
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  • von
  • Jens Riedel
ampnet - 29.01.2016: Das Eckige muss ans Runde – mit seiner eigenwilligen Heckgestaltung gilt der Ssangyong Rodius als eine der größten Designsünden der vergangenen Jahrzehnte. Das Modell ist Vergangenheit. Eine Schönheit ist auch der Nachfolger nicht, dazu ist das Fahrzeugkonzept nun einmal zu sehr auf Zweckmäßigkeit ausgelegt, aber der Rodius kann sich nun mit seiner optisch um die Ecken herumgeführten Heckscheibe durchaus sehen lassen. Mittlerweile darf sich der große Van aus Korea auch damit rühmen, nach dem Verschwinden des Lancia Voyager der letzte Vertreter seiner Art auf dem deutschen Markt zu sein. Wir nahmen Platz.
Der Siebensitzer aus Korea ist zwar neun Zentimeter kürzer als der Voyager, aber immer noch fast 30 Zentimeter länger als VW Sharan, Ford Galaxy und Co. In seinem Heimatland ist der Rodius sogar mit vier Sitzreihen und bis zu elf Sitzplätzen zu bekommen – und wir reden hier nicht von einer speziellen Langversion. An Platz herrscht also kein Mangel. Auch der Kofferraum verdient bei voller Bestuhlung noch seinen Namen. Die große Klappe begeistert durch ihr geringes Gewicht.

In Reihe zwei dürfen sich Mitfahrende über Einzelsitze mit Armlehne freuen (wenn auch nur einseitig jeweils zur Mitte). Da sie ebenso wie die Rücksitzbank verschiebbar sind, entfällt allerdings das Hochklappen für den bequemeren Einstieg nach ganz hinten. Entweder man schiebt sie ganz nach vorne oder klettert zwischen beiden hindurch in die dritte Reihe. Die Sitzflächen im Fond sind zwar ausreichend, konzeptbedingt sind die Knie aber etwas angewinkelt und die Beinauflage wird nicht voll genutzt. Dafür gibt es auch in Reihe drei nicht nur genügend Kniefreiheit, sondern tatsächlich Platz für drei Personen. Die Lehnen der Plätze drei und vier lassen sich zum Sitz umklappen, auch die Lehnen der Plätze fünf bis sieben sind neigungsverstellbar. Zudem kann die hintere Sitzbank aus dem Wagen gezogen werden, wofür dankenswerterweise auch gleich zwei zusätzliche Griffe an passender Stelle angebracht sind.

Wer will, der kann relativ leicht den Platz hinter den Vordersitzen auch in eine ausreichend lange Liegefläche verwandeln. An Flexibilität herrscht also kein Mangel. Und auch beim Rest hat sich Ssangyong Mühe gegeben. Es gibt eine eigene Belüftung für die hinteren Sitze und ausreichend Ablagen. Zudem erfreut der Rodius mit einer für einen Diesel relativ rasch auf Temperatur kommenden und leistungsstarken Heizung sowie in der Topausstattung mit einem beheizbaren Lenkrad.

Keinen Grund zur Klage bieten auch Motor und Getriebe. Der 131 kW / 178 PS starke 2,2-Liter-Diesel ist ein adäquater Antrieb für den Platzmeister unter den Vans. Mit bis 400 Newtonmetern Drehmoment schiebt der immerhin 2,2 Tonnen schwere Rodius ausreichend flott vorwärts. Verbräuche von über zehn Litern je 100 Kilometer sollten allerdings einkalkuliert werden. Die Sieben-Stufen-Automatik schaltet sehr weich und reagiert recht rasch auf die aktuelle Gaspedalstellung. Im manuellen Modus verblüfft sie allerdings damit, dass sie bei dauerhaftem Hochschalten unabhängig von der Geschwindigkeit zumindest im Display bis zum höchsten Gang durchmarschiert.

Der optionale Allradantrieb ist eine Empfehlung wert und verfügt sogar über eine Untersetzungsstufe, womit sich der mögliche Aktionsradius des Rodius noch einmal erweitert. Auch wenn Ssangyong im 2WD-Modus auf Heckantrieb setzt, um die Untersteuerungstendenzen im Zaum zu halten, fährt sich der 5,13 Meter lange Raumgleiter mit zugeschalteter Vorderachse deutlich neutraler. Nur die recht schwammige Lenkung genügt heutigen europäischen Ansprüchen nicht mehr ganz.

Ebenfalls nicht so gut gefallen hat uns die nach französischer und japanischer Art mittige Anordnung der vier recht großen Rundinstrumente. Vor allem bei Nachtfahrten sorgt das kleine unbeleuchtete Display vor dem Fahrer, das auch noch einmal die aktuelle Geschwindigkeit anzeigt, für ein ungewohnt düsteres Ambiente im unmittelbaren Blickfeld. Wer den Van des öfteren variabel nutzt, sollte zudem auf die zusätzlichen Fußmatten verzichten mit denen unser Testwagen ausgestattet war. Sie müssen umständlich unter den Sitzen hervorgefummelt werden, wenn das Gestühl gerückt werden soll. Leben muss der Rodius-Fahrer auch mit einer recht schlechten Sicht nach hinten. Die mächtigen C-Säulen schränken in Verbindung mit den drei Kopfstützen vor dem ohnehin recht schmalen Heckfenster und den kleinen hinteren Seitenscheiben das Blickfeld ein. Zur Unterstützung müssen Parkpiepser reichen, eine Rückfahrkamera ist nicht im Angebot..

Bei knapp 25 000 Euro beginnt der Einstieg in den King-Size-Van, Allrad gibt es wegen der höheren Ausstattung ab 33 290 Euro, die Automatik muss mit 2400 Euro extra bezahlt werden. Unterm Strich lassen sich einige Tausender gegenüber der zudem kleineren Konkurrenz sparen. Der Preis hat allerdings seinen Preis: Kleiner Pferdefuß des Rodius ist seine Sicherheitsausstattung. Airbags für die Reihen zwei und drei? Fehlanzeige in der Familienkutsche. Auf der anderen Seite gibt es drei Jahre Garantie bis 100 000 Kilometer plus zwei Jahre zusätzlich auf den Antriebsstrang sowie eine europaweite fünfjährige Mobilitätsgarantie. (ampnet/jri)

Daten Ssangyong Rodius e-XDI 220 4WD AT

Länge x Breite x Höhe (m): 5,13 x 1,92 x 1,85 (m. Dachreling)
Radstand (m): 3,00
Motor: R4, 2157 ccm, Diesel
Leistung: 131 kW / 178 PS bei 4000 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1400–2800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 187 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: k. A.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 7,8 Liter
CO2-Emissionen: 205 g/km (Euro 6)
Effizienzklasse: C
Leergewicht / Zuladung: 2210 kg / 640 kg
Kofferraumvolumen: 875–3146 l
Max. Anhängelast: 2000 kg
Wendekreis: 11,4 m
Preis: 33 290 Euro
Testwagenrpeis: 38 690 Euro