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Skoda Kombis: Böhmisches Raumfahrtprogramm

2015-09-01 10:03:16
Skoda Rapid Spaceback Monte Carlo.
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Auto-Medienportal.Net/Skoda
Quelle:
Auto-Medienportal.Net
  • von
  • Thomas Lang
ampnet - 29.07.2015: Die Erfolgsgeschichte von Skoda basiert nicht zuletzt auf den Kombis der tschechischen VW-Tochter. Ob Rapid oder Octavia, der Anteil der Kombis an der jeweiligen Baureihe beträgt mehr als 90 Prozent. Und auch beim neuen Superb, der seit Mitte Juni bestellbar ist, geht die Tendenz zu mehr als 90 Prozent in Richtung Kombi. Der Hype um die neue Top-Reihe drängt ein wenig das Facelift für den Rapid in den Hintergrund. Ein Streifzug durch die Preislisten von Rapid und Superb zeigt: Während ein Superb Kombi mit mittlerer Motorisierung und guter Ausstattung mühelos die Hürde von 40 000 Euro nimmt, lässt sich Rapid Spaceback in der neuen Ausstattungslinie Monte Carlo schon für rund die halbe Summe konfigurieren. Das wirft die Frage auf: Ist der kleine Bruder des Superb deswegen tatsächlich nur halb so gut?
Skoda ist nunmehr im siebten Jahr die erfolgreichste Importmarke Deutschlands. Im ersten Halbjahr 2015 entschieden sich mehr als 91 000 Kunden für ein Modell der Traditionsmarke, die in diesem Jahr ihr 120jähriges Bestehen, 110 Jahre Automobilbau und den Zweimillionsten deutschen Kunden feiern darf. Ohne die erfolgreichen Kombis stünde die Marke jedoch bei weitem nicht so gut da. Bei Rapid, Octavia und Superb entscheiden sich mindestens neun von zehn Kunden für die jeweilige Kombiversion. Der Octavia Kombi ist nach dem VW Golf Variant der zweitbeliebteste Kombi Deutschlands überhaupt. Bei den Kleinwagen nimmt der Fabia Kombi quasi eine Alleinstellung ein.

Wenn es um die hausinternen Verkaufszahlen geht, steht der Rapid im Skoda-Ranking an zweiter Stelle. Das aktuelle Facelift bescherte der Baureihe unter anderem: sparsamere Motoren, die ausnahmslos die Euro-6-Norm erfüllen, neue Assistenz- oder Musik- und Navigationssysteme. Neu ist auch die Ausstattungslinie „Monte Carlo“ für den Rapid Spaceback, die beispielsweise mit Sportsitzen, 16-Zoll-Alurädern oder getönten Heck- und hinteren Seitenscheiben sportliche Akzente setzt. Die Preisliste beginnt bei 20.340 Euro für den 1.2-Liter-Benziner mit 66 kW / 90 PS. Für den Diesel mit gleicher Leistung sind 22 740 Euro fällig.

Beim Schmökern durch die Preislisten des neuen Superb Kombi kommt das Basismodell mit 1,4-Liter-Benziner mit 92 kW / 120 PS auf 25 590 Euro. Darf es bei Leistung und Ausstattung etwas mehr sein, in mittlerer Leistungsklasse und der gehobenen Ausstattungslinie Style, beispielsweise für einen Zweiliter-Diesel mit 110 kW / 150 PS, sind schon 34 450 Euro fällig. Kommen noch einige Annehmlichkeiten und Sicherheitsfestures aus dem optionalen Angebot dazu (Sidebags im Fond: 440 Euro, elektrisches Panoramaschiebedach: 1.090 Euro, Abstandswarner: 820 Euro, Spurhalteassistent: 820 Euro, gehobenes Musik- und Navisystem 1.640 Euro, 19-Zöller: 910 Euro), fällt schnell die Marke von 40 000 Euro.

Das ist rund das Doppelte wie für den Rapid Spaceback Monte Carlo. Für Familien, die mit spitzerem Stift rechnen wollen oder müssen ist somit der Superb die zweite Wahl. Aber ist der Rapid nach dem Preisvergleich damit auch nur halb so gut, wie der große Bruder?

Um eine schlüssige Antwort zu finden, sollen erst einmal nüchterne Zahlen sprechen. Der Superb ist mit 4.856 Millimeter 553 Millimeter länger als der Rapid Spaceback. Spätestens in der Innenstadt und auf der Parkplatzsuche darf der Rapid sein kompakteres Format sogar als Vorteil verbuchen. Beim Platzangebot schneidet der Rapid mit dem Prädikat „ordentlich“ ab. Und somit für jede Alltagssituation vollkommen ausreichend. Auch im Fond für eine längere Urlaubsreise.

Das rekordverdächtige Fassungsvermögen des Superb mit 660 Liter Volumen Minimum und 1950 Liter Maximum kann sich als schlagendes Argument wirklich nur dann in Szene setzen, wenn dieser Stauraum regelmäßig zwingend anspruchsvollste Transportaufgaben lösen muss. Die 415, beziehungsweise 1381 Liter des Rapid entsprechen rund zwei Drittel und meistern einen Familienalltag ohne Kompromisse. Selbst wenn das Gartencenter für Mulch und der Baumarkt für Mörtel das Ziel sind.

110 kW / 150 PS beschleunigen den 1.505 Kilo schweren Superb Kombi aus dem Stand auf Tempo 100 in 8,9 Sekunden und sind für 218 km/h Höchstgeschwindigkeit gut. Mit seinen 66 kW 90 PS kommt der 276 Kilo leichtere Rapid in 11,6 Sekunden auf 100 Sachen und wenn es sein muss auf 183 km/h. Das ist in der Wirklichkeit des Straßenverkehrs nicht nur „ordentlich“, sondern mehr als ausreichend. Zumal der Rapid mit einem Normverbrauch von 3,6 Liter auf 100 Kilometer und 94 Gramm CO2-Ausstoß sparsamer und umweltfreundlicher als der Superb auftritt. Der sich natürlich mit 4,2 Liter Normverbrauch und 110 Gramm CO2 pro Kilometer nicht wirklich als Schluckspecht und Umweltferkel zum Schämen in die Ecke stellen muss.

Natürlich rollte der Superb leiser, souveräner und komfortabler über die Piste und unterstreicht auf jedem Kilometer eindrucksvoll, warum er den Anbietern der Premium-Businessclass wie BMW Fünfer oder Audi A6 die Sorgenfalten auf die Stirn treiben wird. Unterm Strich gelingt ihm das jedoch keineswegs doppelt so gut wie dem Rapid. Zumal der zwei Fahrzeugklassen tiefer antritt und nur der direkte Vergleich die Unterschiede offenbart. In Punkto ansprechendem, zeitlosen Design und qualitativen Finish hat Skoda sowieso die unterschiedliche Klassengesellschaft auf den Index gesetzt.

Somit lautet das Fazit des durchaus subjektiven Vergleichs zweier Shuttles aus dem böhmischen Raumfahrtprogramm: Wenn die Preislisten nur Geschmacksfragen beantworten müssen und nicht die Kaufentscheidung stützen, ist ein gut ausgestatteter Superb Kombi fast schon ein Traumauto. Drängen Kontostand und Pragmatismus die Kaufentscheidung in Richtung Rapide Sportback „Monte Carlo“, ist der eigentlich der cleverere Kauf. Denn er bietet weit, weit mehr als 50 Prozent. (ampnet/tl)